Mobbing und Gewaltprävention im Kindergarten

Kinder streiten sich. Konflikte im Kindergarten sind normal und alltäglich. Sie drehen sich vor allem darum, wer etwas haben darf und wer nicht. Wer mitspielen darf und wer nicht. Wer zu anderen nach Hause eingeladen wird und wer nicht. Welche Vorstellungen im Spiel umgesetzt werden und welche nicht. Oder auch darum, wer etwas Bestimmtes kann oder nicht so gut kann. Streit und Konflikte zwischen Kindern sind grundlegende Bestandteile sozialer Erfahrungen und damit normal und notwendig.

Die Kinder machen eigene Erfahrungen im Durchleben und Durchstehen von Konflikten. Sie lernen für die eigenen Interessen einzutreten, sich über Differenzen auszutauschen und sie auszuhandeln, sie können Sichtweisen und Positionen klären. Dabei erwerben sie wichtige Fähigkeiten, wie eine realistische Selbsteinschätzung und Selbstwahrnehmung, Selbststeuerung, Problemlöse- und Entscheidungsfähigkeit, Ausdauer und Konfliktfähigkeit (vgl. Dörfler und Klein, 2003).

Um Blicke, Gesten und Verhaltensweisen anderer einordnen zu können, müssen Kinder Einfühlungsvermögen haben. Wenn es fehlt, kommen Kinder in der Gruppe nicht zurecht, weil sie kein Gefühl dafür haben, wann sie Kontakt aufnehmen können und wann sie andere in Ruhe lassen müssen. Manchmal ist aggressives Verhalten bei Kindern aber auch ein Ruf nach mehr Nähe und Aufmerksamkeit. Es gibt viele Gründe, warum Kinder aggressiv werden. Die Ursachen sind ebenso vielfältig wie die Lösungsansätze.

Kinder müssen streiten, auch wenn dies schwer auszuhalten ist, denn Streiten muss gelernt werden. Kinderstreit ist wichtig. Die Kinder sammeln ihren Möglichkeiten entsprechend neue Erfahrungen im Umgang mit Konflikten.

Sie müssen lernen, Strategien zu entwickeln, Konflikte konstruktiv zu lösen. Voraussetzung dafür ist das Einfühlungsvermögen (Empathie), das ist die Fähigkeit, sich gefühlsmäßig und gedanklich in die Lage eines anderen Menschen hineinzuversetzen, mit ihm mitzufühlen. Bei uns im Kindergarten werden Kinder darin unterstützt, zunehmend andere Handlungs-, Empfindungs- und Denkweisen zu verstehen und anzuerkennen. Das Zusammenleben im Kindergarten und in Familie schafft den Rahmen dafür, aufeinander Rücksicht zu nehmen und sich mit Achtung zu begegnen, an Freud und Leid der anderen Anteil zu nehmen, andere Meinungen anzuhören und respektieren zu lernen.

Gefühle haben auch immer etwas mit einer Beziehung zu anderen Menschen zu tun. Kinder müssen deshalb ihre eigene Gefühlswelt kennenlernen, um auf andere reagieren zu können. Die eigenen Emotionen wahrzunehmen und verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen, ist wichtig für das Zusammenleben. Auch wir Erwachsenen müssen uns immer über unsere Emotionen im Klaren sein. Darum hat das Thema Gefühle bei uns in der pädagogischen Arbeit eine großen Stellenwert. Die Kinder haben bei uns in der Kinderkonferenz die Möglichkeit, Wünsche, Bedürfnisse und Beschwerden vorzubringen.

In der Vorschulförderung beginnen wir mit dem Themenbereich ,,Ich und mein Körper”, ,,Gefühle und Emotionen erkennen und äußern” und ,,Gruppenzusammengehörigkeit”. Wir geben den Kindern in Kleingruppen die Möglichkeit, über die Gefühle wie z.B. ,,Freude”, ,,Wut” , ,,Trauer” und ,,Angst” zu sprechen. z.B. Wann bin ich wütend? Wann bin ich glücklich? Wir bieten den Kindern hierzu ein großes Repertoire an, z.B. Vertrauensspiele, Mut-mach-Spiele, Stark-mach-Spiele, Wert-schätz-Spiele, Fingerspiele, Gedichte, Rollenspiel, Lieder, Geschichten uvam. Die Kinder lernen bei uns das Verhalten anderen (Kindern und Fremden) gegenüber:

  • wie sie sich schützen können
  • Grenzen setzen
  • Nein! und Stopp! sagen können
  • ICH-Botschaften äußern („Ich will das nicht!“)

Unsere Arbeit zielt somit auf eine grundsätzliche Stärkung der Persönlichkeit sowie des Selbstvertrauens, das Einüben von konstruktiven Konflikt- und Streitlösungsmöglichkeiten (Ich-Botschaften, aktives Zuhören, ausreden lassen, Konzentration auf den Sprecher, nachfragen, Bitten – Wünsche äußern), Meinungen vertreten und Gegenmeinungen aushalten, erkennen und einüben sozialer Verhaltensweisen (Rücksichtnahme, Verlieren-Können, Hilfsbereitschaft, Zuhören, usw.).

lm Streit sind wir Erzieher Moderator und kein Schiedsrichter. Wir lassen die Kinder die eigenen Standpunkte schildern und dann fragen wir nach eigenen Lösungsvorschlägen. Und oft sind wir erstaunt, was für gute Vorschläge unsere Kinder haben. Wir müssen nicht versuchen, jeden Streit zu schlichten, müssen Streit nicht grundsätzlich als etwas Negatives bewerten. Trotzdem können wir Konfliktsituationen nicht einfach ignorieren. Bei körperlicher oder psychischer Gewalt schreiten wir sofort ein.

Als Erwachsene sind wir auch immer ein Vorbild, das die Kinder in Konflikten nachahmen. Als Vorbilder sind wir Erzieher und Sie als Eltern angehalten, stets ein gutes Vorbild zu liefern, an dem sich die Kinder orientieren können. Es hängt doch schließlich von unserer Modellfunktion ab, wie ein Kinderstreit abläuft.

Guida W.